Diese Erkenntnis gab der Bürgervertretung vor über 20 Jahren den Anlass, eine Bürgerversammlung (s. Aushang) am 7. Mai 2001 durchzuführen.
Der Aushang zum Themenabend am 7. Mai 2001. Sammlung: S. Lorenz
1991 wurde vom Landesamt für Denkmalpflege eine Liste der Kulturdenkmäler für Bühlau erstellt und umfasst rund 90 Objekte!
Hier sind 30 von ihnen kurz vorgestellt. Sie sind grob nach der Entstehungszeit geordnet und in verschiedenen Baugattungen: Bauernhäuser, Villen, Gasthäuser unterteilt. In unserem Stadtteil stehen vor allem Wohnhäuser. Davon sehen Sie hier Beispiele die in gutem und in schlechtem Zustand sind. Ein guter Zustand bedeutet, dass sie denkmal- und materialgerecht wiederhergestellt wurden. In einem schlechten Zustand befinden sich Kulturdenkmäler, die modernisiert wurden aber nun zu stark von der ursprünglichen Gestalt abweichen.
Grundstr. 153, Wohnhaus, 1730, (laut LAD 1.H. 19. Jh.), EG Bruchstein, OG einfaches Fachwerk,
renoviert, in gutem Zustand
Grundstr. 171, chem. Lohmühle, M. 19. Jh., war bis zum 1. WK in Funktion, Mühlteich wahrscheinlich an der Stelle, an der jetzt das Bühlauer Freibad liegt, zweigeschossiger Putzbau
Grundstr. 171, im Winkel um einen Hof gruppiert, im Giebel zur Straße zwei sandsteingefasste Rundbogenfenster, ungenutzt, bedenklicher Zustand
Grundstr. 173, 1835, über hoher Terrasse längs zur Straße gestellter Baukörper, mittig erschlossen über
sandsteingerahmte Eingangstür, FachwerkOG, Schleierbretter um Fenster, Giebelwand
durchgehend massiv, hier Fenster mit schlichten Sandsteinrahmen und eigener Verdachung,
Fledermausgaupen im Krüppelwalmdach
Ullersdorfer Str. 1, ehem. Forsthaus, „,Gütlein einer Försterswitwe“ 1621 erwähnt, 100 Jahre später
wird Bühlau eigenständige Försterei, dieser Bau 1815, stattlich, Giebelseite drei Achsen
breit, zweigeschossig mit heute holzverschaltem OG, Fenster später vergrößert, Krüppelwalmdach
schlechter Zustand, ungewisse Zukunft
Quohrener Str. 36, ländliches Wohnhaus, 1840, Anbau rechts 1935, orientiert zur Eschdorfer Str
(d.h. hangwärts)., leer stehend
Quohrener Str. 41, im Kern 1656, Wohnhaus 1813 abgebrannt, über der Tür im Sandsteinsturz
„1815%, sehr guter Zustand, unter den Bauernhäusern in Quohren eines der kleineren, wendet
asymmetrische Giebelseite zur Straße, freigelegtes BruchsteinEG
Quohrener Str. 70b, stattliches Unterstallhaus, leer stehend, ruinös, 1.H. 19Jh., chem, zu Dreiseithof gehörig,
mit der für größere Bauergehöfte typischen Gestaltung: lang gestreckter Bau mit Satteldach,
Giebeldreieck in Sandsteinquadern mit dreiteiligem Fenstermotiv
Neubühlauer Str. 11/Ecke Hegereiter Str., Villa „Diana“, um 1895, Ecklage durch Ecktürmchen und Anlage von zwei Veranden mit hölzernen Brüstungen und Fachwerkgiebel betont, Einfriedung mit charakteristischer Mauer an der Ecke, aber erneuert
Ullersdorfer Str. 50, , Waldblick“, eines von den drei ähnlichen Wohnhäusern Richtung Marienbäder, im historistischen an der Neorenaissance angelehnten Stile, spätes 19. Jh., vorspringender Mittelteil
Bautzner Landstr 110, Mietvilla, „Nachfolge Semper-Nicolai-Schule“, 2. H. 19. Jh., anspruchsvoller Bau, kubisch mit ganz flachem, nicht in Erscheinung tretenden Walmdach, Mittelteil leicht vorspringend, durch Balkon, Drillingsfenster und Dreiecksgiebel betont, ganz frisch renoviert
Ullersdorfer Str. 17, Gaststätte „,Erholung“, „E. Bode 1895″, Erteilung der Schankgerechtigkeit 1880, s/w Verschieferung im OG (wie Quohrener Str. 31)
Ullersdorfer Platz 1, Kurhaus Bühlau, 1608 erwähnte Schänke, zentrale Bedeutung für Bühlau, in heute sichtbarer Form 1899 err., Ziersprengwerk im Zwerchgiebel in Richtung Platz, rückwärtig anschließender Saal 1998 weggerissen; 1945-49 Spielstätte der Oper, 1946 Vereinigungsparteitag SED Sachsens, heute im Inneren vollständig modernisiert, wirkt auch im Äußeren neu, schwer als Kulturdenkmal zu begreifen
Ullersdorfer Str. 5, stattliches ländliches Wohn- und Wirtschaftsgebäude, um 1820, mühsam saniert, Fachwerk-OG, Satteldach mit Schiefer
Bautzner Landstr. 147, Wohnhaus und Scheune eines Häuslers in Alt-Bühlau, westliche Giebelseite verschiefert, 1894 und Erbauername, umfangen von Autohaus (BMW-Melkus)
Quohrener Str. 31, im Kern 1695, prächtig, viele Details erhalten :„1895″, Name des Erbauers am Giebel „B. A.“=Angermann, s/w. Schiefer am Giebel, besonders tiefer Dachüberstand an Traufseite zum Hof zu, Falzziegel, Winterfenster, Spalier, Sandsteinpfeiler als Toreinfassung, leer stehend
Quohrener Str. 1, (heute Schuhmacherei), bäuerliches Wohnhaus, 1.H. 19. Jh, besonders bemerkenwert durch seine städtebaulich bestimmende Lage am Ullersdorfer Platz am Ausgang Richtung Weißig, bildet zusammen mit gegenüberliegendem Bau des Eiscafes Rentzsch das östliche Ausfalltor aus Bühlau, hier aber aus der Quohrener Straße heraus photographiert, so wie man es eher selten wahrnimmt
Königsberger Str. 6,8,10 um 1900, Gruppe ähnlicher historistischer Villen mit bewegter Kontur durch abwechslungsreiche Gestaltung von Veranden und Dächern, Nr. 8: chem. Pension Waldesruh (Luftkurort ,Bühlau!), 1997 renoviert
Oybiner Str. 26/Ecke Hainewalder Str., um 1900, den vorher gezeigten vergleichbare Villa, nutzt Ecklage für „Schrägeck-Fachwerkerker oder -veranda“
Hegereiter Str. 16, Villa Waldfrieden, „1892″, liegt in Neubühlau, dieses entwickelt von Bauträger Reinhardt Ulbricht und Verschönerungsverein, unsaniert, Lambrequins an den Fenstern erhalten (metallene
Jalousienkästen)
Bautzner Landstr. 130, ehem. Rathaus der bis 1921 selbständigen Gemeinde, 1899 bezogen, Architekt?, aufwändiger selbstbewusster Bau an einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Ortes (Einmündung Grundstraße in Bautzner Lst.) , Putzbau mit zahlreichen Architekturgliedern aus Sandstein, Betonung der Ecklage durch Erker und Giebel in Formen der deutschen Neorenaissance, in sehr guten Zustand
Bautzner Landstr. 100, 1902/03, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, an der Fassade Stuckdekorationen und Fachwerk in Jugendstilformen, Ausmalung im Treppenhaus, Bauherr Paul Bachmann, Architekt Ernst Härtwig, dieses Photo zeigt die Realität in Bühlau: die extrem befahrene Bautzner Landstraße
Bautzner Landstr. 144, Geschäfts- und Wohnhaus, Fleischerei, um 1910, Arch. möglicherw. Max Herfurth, besonders aufwändige und gelungene Massengliederung, Vielfalt an Formen und Materialien, über der Tür zum Fleischerladen Tierrelief
Bautzner Landstr. 140, Ecke Kirschauer Str., „Villa Elfriede“, 1903, Haus des Architekten Arno Pötsch(Pötzsch?), Haus zu glatt renoviert, neue unschöne Einfriedung
Nachtflügelweg 8, Wohnhaus, Anf. 20.Jh., kubischer Block mit Walmdach mit großen Gaupen, leicht neubarock, farbig verglaste Treppenhausfenster
Bautzner Landstr. 108a-f, Städt. Seniorenheim, Teil einer großen einheitlich errichteten aber trotzdem abwechslungsreich gestalteten Bautengruppe (gehörte es zum Bachmann-Sanatorium?), 20er- 30er Jahre; Heimatstil, Sandsteinsockel, Loggien, Fensterläden, Walmdächer mit roten Biberschwanzziegeln, hier erneuert , (Heimatstil vom Dresdner Stadtbaumeister Erlwein stark gefördert)
Rossendorfer Str. Siedlung, 1928-37, umfangreiche Anlage, Spar- und Bauverein Bühlau und Umgebung
Rossendorfer Str. Siedlung, 1928-37, umfangreiche Anlage, Spar- und Bauverein Bühlau und Umgebung (1934 mit Dresdner Spar- und Bauverein verschmolzen) Architekt Emil Leiner (LAD) oder Paul Müller, Kulka und Otto Paul, ebenfalls Heimatstil, hier Nordseite der Rossendorfer Straße, originale Farbigkeit bei Renovierung wieder hergestellt, gelber Putz, hier rote Fensterläden (gegenüber auch grüne und beige), verglaste Veranden gliedern die lange Front, sorgfältige Gestaltung des Umfeldes, Treppen, Torpfosten, Wäscheplätze, Freispaliere, Hecken und Bäume
Rossendorfer Str. Siedlung, 1928-37, umfangreiche Anlage, Spar- und Bauverein Bühlau und Umgebung
Rossendorfer Str. Siedlung, 1928-37, umfangreiche Anlage, Spar- und Bauverein Bühlau und Umgebung
Olbersdorfer Str. 9, Wohnhaus, waagrecht holzverschalt, Holzhaus?, 1920er Jahre, Baumeister Erich Kirchberg
Ullersdorfer Str. 38, Wohnhaus,20/30er Jahre, niedriger Backsteinsockel, flaches Walmdach mit typischen Dreiecksgaupen, Fenster an die Kanten gerückt, originale Schiebeläden, Vorbau leider unpassend
Am Bauernbusch 22, (Walser-Haus), 1920/30er Jahre, Villa mit Garage und Einfriedung, dreiviertelrunder Kantenturm, in den Fenstergewänden figürliche und ornamentale Tonreliefs in leicht
expressionistischem Stil
Königsberger Str. 18, „turmartiges“ Wohnhaus im Bauhausstil, 1929, niedriger Backsteinsockel, strahlend weißer Putz, Stockwerksgesims und senkrechte Fenstereinfassung wieder in Backstein, mit dem zeittypischen Flachdach, bewusst moderne Architektursprache in der eher traditionellen Umgebung
Königsberger Str. 18
Die Beteiligung der Bürger war groß und sprengte fast den kleinen Raum/Speisesaal.
Vorträge vom Amt für Denkmalspflege und dem Stadtplanungsamt. Sammlung: S. Lorenz
Das Interesse am Themenabend am am 7. Mai 2001 war groß. Sammlung: S. Lorenz
Durch die Presse, Dresdner Rundschau 2001 etc. wurde unser Stadtteil dadurch auch im gesamten Stadtgebiet bekannt.
Bühlauer Rundgang – Gemeinsam für einen lebenswerten Wohnort
Und über 20 Jahre nach „Kulturdenkmäler in Bühlau“? Was finden wir heute davon vor und wie hat sich unser Stadtteil weiterentwickelt?
Was können wir in unserem Stadtteil bei der Gestaltung von Infrastruktur, Verkehr bis hin zur Begrünung und zum Erhalt der schönen Straßenbäume etc. bewirken?
Diesen Fragen möchten wir gern mit Ihnen, den Bühlauer Bürgerinnen und Bürgern, besprechen und planen einen „Bühlauer Rundgang“.
Bitte unterstützen Sie uns dabei! Allein können wir die Veranstaltung nicht organisieren. Von einst über hundert aktiven Mitgliedern in den 90er Jahren sind wir heute noch neun.
Unsere neun Perspektiven reichen nicht aus, um alle Aspekte eines lebenswerten Wohnorts zu erfassen. Das betrifft vor allem auch die Gedanken der jüngeren Generation.
Wir wollen uns an den Wünschen unserer Bühlauer Bürger – ob ortsansässig oder neu hinzugezogen – orientieren.
Wir freuen uns auf Ihre Hinweise und Meinungen zur Entwicklung unseres schönen Wohnortes – einst ein erholsamer Luftkurort – auch im Blick auf die Zukunft unserer nächsten Generationen.